
Die MAJA-Maschinenfabrik in Kehl-Goldscheuer zählt zu den international führenden Spezialisten für Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung, insbesondere für die Fleischindustrie. Um steigende Anforderungen an Flexibilität, Präzision und Wirtschaftlichkeit zu erfüllen, modernisierte das Unternehmen seinen Maschinenpark gezielt mit CNC-Technologien von OKUMA – mit dem Ergebnis, dass mehrere Prozessschritte entfallen konnten und die Produktivität deutlich stieg.
Gegründet wurde MAJA 1955 von Hermann Schill Senior. Bis heute bilden Entschwart- und Entvliesmaschinen das Herzstück des Portfolios. Ergänzt wird es durch leistungsfähige Scherbeneiserzeuger sowie hochpräzise Portioniermaschinen, die bis zu 1.000 kg Fleisch pro Stunde mit einer Genauigkeit von 3 g schneiden. Mit wachsender Variantenvielfalt und steigenden Qualitätsanforderungen rückte jedoch zunehmend die Effizienz der eigenen Fertigung in den Fokus. Gesucht war eine Maschinenlösung, die ein breites Teilespektrum flexibel und prozesssicher abdecken kann — Anforderungen, die MAJA schließlich gemeinsam mit OKUMA realisierte.
Heute ist MAJA ein global agierendes Unternehmen. Die Kunden reichen von großen Handelsketten wie Edeka, Kaufland oder Tönnies bis hin zu kleinen Metzgereien. Nach der Übernahme durch die Marel-Gruppe im Jahr 2018 und dem Übergang zu JBT Marel Anfang 2025 blieb Kehl ein zentraler Entwicklungs- und Produktionsstandort.
Höchste Anforderungen an Fertigung und Hygiene
In der Fertigung der Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung spielt Hygiene eine zentrale Rolle. Schon bei der Konstruktion wird darauf geachtet, dass keine Spalten oder Kanten entstehen, in denen sich Rückstände ablagern können. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit. „In vielen Fällen übertreffen wir die Vorgaben der Lebensmittelindustrie deutlich“, erklärt Alexander Gaß, Abteilungsleiter der Mechanischen Fertigung bei MAJA.
Um diese Anforderungen zu erfüllen, arbeiten rund 120 der insgesamt 200 Mitarbeiter am Standort Kehl in der Fertigung. Bearbeitet wird vorwiegend Edelstahl – ein Werkstoff, der höchste Präzision verlangt. Die Fertigungstiefe ist hoch: Von Blechteilen bis zu komplexen Zahnwalzen entsteht nahezu alles im eigenen Haus.

Entscheidung für OKUMA nach ausgiebiger Recherche
Bereits 2016 plante MAJA den Austausch stark verschlissener Maschinen aus den späten 1990er-Jahren. Durch andere Investitionsprojekte verzögerte sich die Umsetzung – was sich im Nachhinein als Vorteil erwies. Die Verantwortlichen nutzten die Zeit für eine umfassende Marktanalyse: „Wir haben uns Maschinen unterschiedlichster Hersteller im realen Produktionseinsatz angeschaut“, berichtet Gaß. Neben technischen Daten spielte vor allem die Flexibilität der Maschinen sowie die Service- und Betreuungskompetenz der Hersteller eine entscheidende Rolle.
Das Ziel: ein sehr breites Teilespektrum mit möglichst wenigen, flexibel einsetzbaren Maschinen fertigen zu können. Typische Losgrößen liegen bei MAJA zwischen 1 und 200 Teilen, der Trend geht zunehmend zu einer bedarfsgesteuerten Teileproduktion mit kleineren Losgrößen.
Am Ende der Maschinensuche blieben nur noch drei Hersteller übrig, mit deren Maschinen sich das gewünschte Produktportfolio wirtschaftlich fertigen ließ. Im direkten Vergleich kristallisierte sich OKUMA zunehmend als technologisch passendster Partner heraus – sowohl hinsichtlich der Multitasking-Fähigkeiten der Maschinen als auch mit Blick auf Service und Anwendungssupport. Anfang 2020 nahm MAJA eine LT2000 sowie eine MULTUS U3000 in Betrieb. „OKUMA hat uns mit seinem ganzheitlichen Konzept überzeugt“, fasst Gaß zusammen. Besonders beeindruckt habe das Collision Avoidance System (CAS), das in dieser Form ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist.

Fertigdrehen statt Schleifen
Die LT2000 ist mit drei Revolvern ausgestattet und bietet Platz für insgesamt 48 direkt ansteuerbare Werkzeuge. „Diese Werkzeugkapazität ist am Markt einzigartig“, erklärt Wilhelm Spät, Vertriebsingenieur bei OKUMA.
Auf der Maschine fertigt MAJA unter anderem Schaltwellen mit Längen bis zu 1,20 m. Durch das sukzessive Umspannen mit der Gegenspindel lassen sich auch Bauteile bearbeiten, die den eigentlichen Arbeitsraum überschreiten. Die erzielte Präzision ist so hoch, dass auf zuvor notwendige Schleifprozesse verzichtet werden kann. „Die Oberflächenqualität ist hervorragend – man sieht dem Bauteil nicht an, dass es ausschließlich gedreht wurde“, so Gaß.
Auch die MULTUS U3000 wurde konsequent auf Effizienz und Flexibilität ausgelegt. Neben dem Revolver stehen 80 zusätzliche Werkzeugplätze zur Verfügung – eine wichtige Voraussetzung für kurze Rüstzeiten und mannlose Fertigung mit Roboterbeladung. Drehen, Fräsen und Bohren erfolgen in einer Aufspannung und ersetzen mehrere zuvor notwendige Maschinen.
Über 3.000 Zähne pro Walze
Ein zentrales Bauteil der MAJA-Maschinen ist die Zahnwalze. Mit bis zu 3.456 einzeln geschliffenen Zähnen zieht sie das Fleisch kontrolliert an das Messer. Die Fertigung dieser Walzen war bislang extrem aufwendig und stark von manuellen Fähigkeiten abhängig. Sieben Bearbeitungsschritte auf mehreren Maschinen waren notwendig – darunter Schleifmaschinen aus den 1950er-Jahren.

Im Zuge eines Modernisierungsprojekts wurde entschieden, Prozesse konsequent zusammenzuführen. Der Vorschlag von OKUMA: Komplettbearbeitung auf einer speziell konfigurierten MULTUS U3000, die Drehen, Fräsen, Einstechen und Schleifen in einer Aufspannung vereint, um die bislang sieben Prozessschritte deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Prozesssicherheit zu erhöhen.
Die Probebearbeitung bei OKUMA in Krefeld überzeugte auf Anhieb. „Die Qualität war höher und die Bearbeitungszeit deutlich kürzer“, erinnert sich Gaß. Für die Umsetzung wurden zahlreiche Anpassungen vorgenommen – darunter eine erhöhte Maschinengenauigkeit, Schleifausstattung, ein Reitstock für die Gegenspindel sowie eine leistungsfähige Kühlschmierstoffversorgung. Ziel war auch eine mannlose Fertigung von bis zu 16 Walzen in einer dritten mannlosen Schicht oder über das Wochenende hinweg.
Extreme Effizienz durch echtes Multitasking
Das Ergebnis: Statt ursprünglich 3:45 h Bearbeitungszeit pro Walze benötigte der Prozess nur noch 2:55 h. Doch dabei blieb es nicht. Nach Einführung des Schlagfräsverfahrens für die Verzahnungen sank die Bearbeitungszeit weiter auf nur noch 1:40 h, bei nochmals verbesserter Qualität.
„Auch hier hat sich wieder gezeigt, wie zuverlässig der Service und die Anwendungstechnik von OKUMA sind“, betont Gaß. Bei einem Jahresvolumen von rund 2.000 Zahnwalzen konnte die Wirtschaftlichkeit der Fertigung massiv gesteigert werden – bei gleichzeitig höherer Prozesssicherheit und Automatisierung.
Durch die enge Zusammenarbeit konnten Prozesse radikal vereinfacht, Bearbeitungszeiten drastisch reduziert und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden. OKUMA erwies sich dabei nicht nur als Maschinenlieferant, sondern als Technologiepartner auf Augenhöhe.
Für weitere Informationen zu beiden Unternehmen klicken Sie hier: Okuma Deutschland GmbH | MAJA-Maschinenfabrik
Autor und Bildquelle: Dipl.-Phys. Manfred Flohr